Piercing

Tradition des Körperschmucks

Im 20. und 21. Jahrhundert haben sich Piercings als Form von individuellem Körperschmuck weitgehend durchgesetzt. Je nach Belieben kann man sich sichtbare oder an leicht zu bedeckenden Körperstellen durch diese Art von Körpermodifikation mit Schmuckstücken ausstatten lassen. Dabei wissen die meisten Leute heutzutage nichts mehr von den kulturellen Hintergründen des Piercings.

Tradition und rituelle Bedeutung

Bei einheimischen Urvölkern ist das Tragen von Piercings als Ritual auf allen Kontinenten verbreitet; neben der Ästhetik hatten Piercings je nach Kultur und Stammeszugehörigkeit seit Tausenden von Jahren eine Vielzahl von Bedeutungen.

Besonders Gesichts- und Ohrpiercings, aber auch Schmuck im Intimbereich haben eine lange Tradition im Brauchtum verschiedenster ethnischer Gruppen. So dienten Piercings oftmals als Merkmal von Zugehörigkeit zu einem Stamm und waren ein Merkmal für sozialen und hierarchischen Status innerhalb einer Gemeinschaft. Außerdem ist überliefert, dass der Körperschmuck vor allem in rituellen Prozessen, wie etwa dem Erreichen der sexuellen Reife, bei Hochzeitszeremonien oder zur Demonstration von Manneskraft und individueller Stärke eine bedeutende Rolle spielte. In der afrikanischen Nomadenkultur waren und sind dabei vor allem Piercings, die bestimmte Hautstellen an Ohren, Kinn oder Nase ausweiten, sehr verbreitet.

Schmuck für die Götter

In der nah- und fernöstlichen Kultur, aber auch in keltischer Stammestradition, wurden Piercings aber auch magische, spirituelle Kräfte zugeschrieben. Man glaubte, durch das Tragen von bestimmten natürlichen Materialien an ausgewählten Körperstellen würde verhindert, dass der Körper von bösen Geistern ergriffen werden konnte. Auch in Opfer- und Gebetszeremonien spielte Körpermodifikation eine tragende Rolle. Vor allem auf dem heutigen indischen Subkontinent war vor allem der Prozess des Piercens ein wichtiger Teil von Ehrerbietungszeremonien für die Götter. Vor allem hohe religiöse Autoritätspersonen wie Priester trugen den Körperschmuck und galten damit als immun gegen göttliche Missgunst und als von Sünden reingewaschen.

Vor diesem spirituellen Hintergrund erscheinen Piercings als mehr als nur einfache Schmuckstücke. Auch wenn es den Trägern heutzutage vielleicht nicht mehr bewusst ist, sie nehmen teil an jahrtausendealten Ritualen und Stammeskulturen.